Imbach und Leutloff – “Malerei par excellence“

07.05. – 18.06.2005

Schneidt’sches Haus,
Eisengasse 6 Nördlingen

Kunstverein mit vierter Ausstellung im Schneidt’schen Haus

Es ist längst nicht mehr nötig die Rieser Bevölkerung für moderne Kunst extra zu sensibilisieren; doch die großformatigen Form- und Farborgien der Düsseldorfer Künstler Samuel Imbach und Vera Leutloff sind sehr dazu angetan, Faszination für das Medium Malerei an sich zu zwecken.
Den ersten Fehler, den Kunststudenten begingen, sei es, Leinwand und Farbe zu kaufen – mit dieser Aussage von Joseph Beuys eröffnete Ralph Kleinsimlinghaus seine Laudatio auf die beiden Künstler. Beuys und viele andere sagten die Malerei mangels neuer Impulse immer wieder tot. Die in Düsseldorf lebenden und arbeitenden Maler Samuel Imbach und Vera Leutloff hätten das glänzend widerlegt; beide seien in Ausbildung und bei der Arbeit unkonventionelle Wege gegangen.

So nimmt Samuel Imbach Versatzstücke der modernen Welt der schillernden optischen Reize und der Medien unter die Lupe -aus einem vier Quadratzentimeter großen Anzeigenausschnitt wird dann ein Quadratmeter großes Bild. Im Schneidt’schen Haus spielt er beispielsweise in einer großformatigen Serie namens “Luchter“ mit Kristall-Reflexionen. Samuel Imbach wurde 1960 in Luzern geboren und besuchte die dortige Hochschule für Gestaltung, bevor er sich freischaffend erst in London, dann in Düsseldorf niederließ.

Ganz anders Vera Leutloff: Sie reduziert ganz bewusst ihr Motiv-Vokabular auf Netze, Stangen, horizontale Streifen, Blätter und Gebirge. Sie dekliniert es durch, indem sie oft einer ganz besonderen Farbe den Vorzug gibt. Sie trifft keine spontane Auswahl, Farben und Formelemente drücken einen Bewusstseinsprozess aus. Vera Leutloff setzt ihren Bildern keine Grenzen, das Motiv stellt nur einen Ausschnitt des Unendlichen dar. Die 1962 in Hamburg geborene Künstlerin studierte von 1981 bis 1989 an der Kunstakademie Düsseldorf; jedoch nicht bei einem der damals dominierenden und den Stil ihrer Schüler stark beeinflussenden Professoren, sondern als Meisterschülerin bei Alfonso Hüppi.


Dr. Sabine Heilig, Vorsitzende des Kunstvereins Nördlingen, der mit dem Experiment, die beiden Künstler erstmals zu kombinieren, seine vierte Ausstellung im Schneidt’schen Haus bestreitet, schwärmte von den Gemälden als “Malerei par excellence voller Sinnlichkeit von Farbe, Struktur und Form“. Die Sinnlichkeit soll noch gesteigert werden durch “Duftführungen“ am Pfingstmontag, 16. Mai, um 11 Uhr, am 19. Mai um 19 Uhr, 7. Juni, 20 Uhr, 15. Juni, 19 Uhr und 19. Juni, 15.30 Uhr. Dr. Heilig wies auch auf das Konzert in der Ausstellung mit Harry Berger und Karin Hellmann am Freitag, 20. Mai, ab 21.30 Uhr in der Nördlinger Museumsnacht hin.

Oberbürgermeister Paul Kling zeigte sich stolz angesichts einer mittlerweile stark ausgeprägten Kunstszene. “Künstler dürfen nicht dem Zeitgeist von Marketing, Werbung und Medien verfallen, sondern müssen ihn unterlaufen und Wahrheiten aufdecken“, formulierte er seine Vorstellung von moderner Kunst. Er erinnerte daran, dass der Ochsenzwinger heuer als weiterer Impuls für die Kunstszene fertig gestellt wird, im Herbst veranstaltet der Kunstverein bereits eine Skulpturenausstellung dort. Er erinnerte auch an den künstlerischen Austausch mit Olmütz, bei dem der Kunstverein eine tragende Rolle spielt.


Samuel Imbach

geboren 1960 in Luzern, 1967-1982 Hochschule für Gestaltung, Luzern; seit 1982 freischaffend, zuerst in London, seit 1984 in Düsseldorf.


Vera Leutloff

geboren 1962 in Hamburg, 1981-1989 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Alfonso Hüppi, Meisterschülerin; 1988 Villa Romana-Preis, 2001-2004 Lehrauftrag für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf.

7 aus Olmütz

15.09.2004 – 30.10.2004

im Schneidt’schen Haus,
Eisengasse 6,
Nördlingen

in Zusammenarbeit mit der Stadt Nördlingen.

Zeitgenössische Fotokunst und Keramik aus Tschechien

Fünf Fotografen und zwei Keramiker aus der tschechischen Universitätsstadt Olmütz sind eingeladen, im Kunstverein Nördlingen auszustellen.Gerne hat der Kunstverein Nördlingen die Anregung aufgegriffen, den kulturellen Austausch zwischen den beiden Städten mit zu fördern und voran zu bringen. Aus der Fülle der Ausstellungsideen erwuchs der Gedanke, der auffallend großen Zahl zeitgenössischer Fotokünstler aus Olmütz ein Forum zu bieten.

 

Kunst an der Plakatwand

03.06. – 25.09.2004

an der Stadtmauer zwischen Anker-Brauerei und Neumühle,
Nördlingen

Ein Karlsruher Projekt zeigt zusammen mit hiesigen Küstlern Kunst an der Stadtmauer

Kunst an der Plakatwand, das sind Sabine Brand-Scheffel, Rainer Braxmaier. Axel Heil, Walter Jung, Angela Junk-Eichhorn, Uwe Lindau, Eva Maria Lopez, Germain Roesz, Eva Schaeuble, Werner Schmidt, Gabi Streile, Angela Ulrich, Karl Vollmer, Helmut Wetter, Jürgen Zimmermann,

zusammen mit
Oskar Bernhard, Paul Groll, Helga Hegendörfer, Jürgen Kintrup, Wolfgang Mussgnug, Norbert Palzar, Helmut Ranftl.

„Kunst sichtbar zu machen, ihr außerhalb der etablierten Institution einen Platz zu geben und zugleich der allgegenwärtigen Werbung einen Kontrapunkt entgegenzusetzen, das waren die Überlegungen, die zu der innovativen Kunst an der Plakatwand führten.“


Die Kunst an der Plakatwand aus Karlsruhe gibt es seit 1988. Was mit einem Kunstwerk im Plakatwandformat 260 mal 360 Zentimeter begann, ist längst ein Projekt mit über 16 Künstlern und hat internationale Dimensionen angenommen. Die bisherigen Ausstellungs-orte reichen von Karlsruhe, Prag, Bad Boll, Hildesheim. Straßburg. Wörth, Paris und Übertingen über Nancy bis nach England (Oxford/Nottingham). Zu sehen waren die Bilder nicht nur auf Wiesen, in Parks oder auf Plätzen, sondern auch an Wänden historischer Gebäude wie an der Zitadelle von Straßburg. Aktuell werden Werke der Gruppe auf der Landesgartenschau im badischen Kehl gezeigt. Die Möglichkeit, zeitgenössische Kunst an ungewöhnlichen Orten zu zeigen und damit traditionelle Kunsträume zu verlassen, war mit ein Grund, die Künstler von Kunst an der Plakatwand nach Nördlingen einzuladen. Hier bietet die einzigartige, historische Stadtmauer ein besonderes Umfeld. In Erinnerung an die vor sechs Jahren stattgefundene „Mauerschau“ von Künstlern aus Nördlingen und der Region nehmen einige von ihnen an der Ausstellung teil. Der Betrachter trifft so auf eine Vielzahl künstlerischer Positionen. »Kein Glas, keine Lichtschranke trennen den Betrachter vom Betrachteten. Die Kunst ist buchstäblich von ihrem Sockel gestiegen und zeigt sich auch von Wind und Wetter unberührt… Diese schrankenlose Präsentation von Originalgemälden schafft in der zweckorientierten Welt eine zweckfreie Zone…«.


Kunstwerkstatt

Malen en plein air oder wie kommt die Fliege auf mein Bild?
Die Kunstwerkstatt für Kinder und Jugendliche ab 7 Jahre findet anlässlich der Ausstellung „Kunst an der Plakatwand zeigt Kunst an der Stadtmauer“ des Kunstvereins Nördlingen statt.
Im Mittelpunkt der Kinderaktion steht das Malen. Wie die Bilder an der Stadtmauer überdimensional groß sind, so können auch die jungen Künstler ihre Bilder auf großformatigen Malgründen malen. Die Kunstwerkstatt mit Helga Hegendörfer, Margit Eskau und Anna-Maria Moll bietet den Kindern die Möglichkeit, im Anschluß an eine Führung eigene Farb- und Phantasieräume zu entwerfen. Gemalt wird bei schönem Wetter im Freien. Bei Regen steht das Gewölbe der Lebenshilfe zur Verfügung. Malkittel und geeignete Kleidung (Sonnenschutz…) bitte nicht vergessen. Kostenlose Getränke sind vorhanden.
Treffpunkt ist am Eingang der Anker-Brauerei.

identity rooms – wohnenträumen

20.03. – 01.05.2004

im Schneidt’schen Haus,
Eisengasse 6 (1. OG),
Nördlingen

Künstlergruppe maximal:
Die 1994 gegründete Künstlergruppe maximal, das sind Isa Dahl, Thomas Heger, Rolf Kilian, Bernd Mattiebe, Rainer Schall, Daniel Wagenblast und Bernhard Walz.

Die sieben Künstler haben sich während des Studiums an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart kennengelernt, hatten schon zu Studienzeiten eigene und individuelle künstlerische Standpunkte im Auge, die sie zu diskutieren begannen. Nach dem Studium ging es darum, dies fortzusetzen. »Jeder Künstler, einmal aus dem behüteten Freiraum der Akademie in die Notwendigkeit entlassen, um sich nun in dem Kunstgeschehen mit seinen Werken zu behaupten, braucht ein Netzwerk nicht nur zur Vermarktung, sondern vielmehr auch zur Diskussion, zur kritischen Überprüfung und Fortentwicklung seiner Arbeit, als Gegenpol zum individuellen und einsamen Ringen im Atelier« (Werner Meyer, Direktor der Kunsthalle Göppingen, im Katalog „Die Ausstellung – die Künstlergruppe maximal“). Seit nun zehn Jahren treffen sich die sieben Künstler regelmäßig in den Ateliers, diskutieren über Kunst, über die entstandenen Arbeiten und planen gemeinsame Projekte wie identity rooms wohnenträumen. In den historischen Räumen des Schneidt’schen Hauses schafft maximal eine Folge poetischer Räume. Lustgarten, Musikzimmer, Salon, Säulenhalle und Empfang. Wesentlicher Bestand dieser Raumkompositionen sind die Bilder und Skulpturen. Sie erzeugen zusammer mit den Requisiten komplexe Spannungsbeziehungen und skurrile Wechselwirkungen.

www.maximal-web.de


Ausstellungsinformation

Eine Ausstellung des Kunstvereins Nördlingen mit der Künstlergruppe maximal „identity rooms, wohnenträumen“ nennt die Künstlergruppe maximal ihr künstlerisches Konzept für die aktuelle Ausstellung des Kunstvereins Nördlingen. Klassische Bildwerke wie Gemälde in Öl, Acryl oder Eitempera auf Leinwand oder Holz sowie figürliche Skulpturen in Holz und Eisen werden in einen Kontext mit Alltagsgegenständen gestellt.Neben kleinen Requisiten wie ein Eierkocher oder eine Stehlampe befinden sich in der Ausstellung ein gemachtes Bett, eine Sitzgruppe mit rotem Bistrotisch, ein Sofa oder ein hölzerner Wohnzimmertisch mit Leuchtglobus. Aus einem Phonoschrank spielt Musik. Liegestühle mit Neonbeleuchtung laden auf grünem Teppich zum Entspannen ein. Mit dieser ästhetischen Inszenierung im Schneidt’schen Haus nahe dem Nördlinger Rathaus antwortet maximal auf die spezielle Ausstellungssituation des Gebäudes, das früher als Wohnhaus, in unserer Zeit auch als Büro, gedient hat.

Die fünf Räume sind in eine erzählerische Abfolge gebracht. Man betritt als erstes einen Empfangsraum mit geheimnisvollen Türen. In der weitläufigen Säulenhalle dominiert das Bett im Mittelpunkt des Raumes. Läßt sich von hier aus die Kunst am bequemsten betrachten? Im anschließenden Salon mit gediegenem Ambiente irritieren vor einer Tür aufgestapelte Styroporplatten. Das Musikzimmer hingegen entspricht der erwarteten Idylle: Sitzecke mit Sesseln, ein Tisch mit Tulpenvase, der Phonoschrank. Im letzten Raum vermittelt der Lustgarten mit den Liegestühlen im grellen Licht einen Hauch von Sommerfrische. Oder doch nicht?

Die teilweise farbgewaltigen, sehr heterogenen Kunstwerke der Gruppe, die sich gleichmäßig über die Ausstellungsräume verteilen, spiegeln Aspekte der zeitgenössischen Kunst im Spannungsfeld von Abstraktion und Figuration.

Was ist Kunst? maximal beantwortet diese vielgestellte Frage mit einem Augenzwinkern. Die Künstler unterscheiden nicht zwischen zweckfreiem Kunstwerk und benutzbarem Mobiliar. Teil dieses Konzept ist es, über Irritationen den Blick gezielt auf das Kunstwerk zurückzulenken, und dieses als individuelle Form wieder wahrzunehmen.

„identity rooms, wohnenträumen“ bietet sich in besonderem Maße auch für einen Besuch mit Kindern und Jugendlichen an. Einerseits lassen sich prinzipielle Standpunkte zeitgenössischen Kunstschaffens anhand der unterschiedlichen Techniken und Kunststile vermitteln. Andererseits wirft die Präsentation der Werke im Kontext mit dem häuslichen Beiwerk zahlreiche Fragen wie zum Beispiel über das Wesen der Dinge auf. Inwieweit ist hier die Kunst bloße Dekoration, oder umgekehrt, stellen sich die Realien als Dekoration für die Kunst dar? Das Nachdenken über die eigene Wohnsituation läßt diese abstrakten Fragen anschaulich werden.


Kunstwerkstatt

Wohlfühl-Räume, Wohlfühl-Träume
Kunstwerkstatt für Kinder in der aktuellen Ausstellung des Kunstvereins Nördlingen. Der Kunstverein Nördlingen bietet am Samstag, den 27. März, eine Kunstwerkstatt für Kinder ab 7 Jahre in der Ausstellung mit der Künstlergruppe maximal an, die am kommenden Sonntag um 11 Uhr eröffnet wird.

maximal hat die Ausstellung im Schneidt’schen Haus mit Bildern, Skulpturen und Mobiliar in eine Abfolge poetischer Räume verwandelt. Über den Empfang gelangt man in die Säulenhalle, den Salon, das Musikzimmer und in den Lustgarten. Die Kunstwerkstatt unter der Leitung von Christine Hubel und Margit Eskau bietet den jungen Künstlern die Möglichkeit, im Anschluss an eine Führung eigene Wohlfühl-Räume zu entwerfen und zu gestalten. Gehören zum einem Wohlfühl-Raum Bilder an der Wand? Ein Bett, ein Musikschrank oder eine Leselampe vielleicht? Wie stelle ich mir einen Lustgarten vor? Etwa mit Neonbeleuchtung? Die Kinder sind eingeladen, ihre eigenen Gedanken dazu mit Pinsel, Zeichenstift und Schere umzusetzen. Träumen ist erlaubt! Das Material wird gestellt. Malkittel bitte nicht vergessen.

Lun Tuchnowski – Was ich mache

19.09.2003

Eröffnung: 16 Uhr

Skulpturen und Objekte


Lun Tuchnowski

geboren 196 in Deiningen, 1967-1971 Studium bei Robert Jacobsen an der Akademie der Bildenden Künste München, Meisterschüler; 1976-1980 Assistent an der Akademie der Bildenden Künste München bei Gerd Winner; 1980-1981 Stipendium des British Council London; 1981-1983 Dozent an der Königlich Dänischen Kunstakademie Kopenhagen; 1993 Robert-Jacobsen-Preis der Stiftung Würth, Küzelsau; lebt und arbeitet in München.


Aus der Augsburger Allgemeinen

Großskulptur auf dem Hafenmarkt, Nördlingen (ben).
Der in Deiningen geborene Künstler Lun Tuchnowski installierte jetzt die erste Leihgabe für seine Skulpturen- und Objekt-Ausstellung, die am 20.September in der Alten Schranne eröffnet wird. Es ist eine Großskulptur, die für die nächsten Wochen auf dem Hafenmarkt ihren Platz gefunden hat.
Mit Lkw und Anhänger wurde die neuneinhalb Meter lange Stahlskulptur aus Pfaffenhofen an der Ilm heran geschafft, wo das 1997 geschaffene „Des art et des lettres IV“ im „Würther“ Skulpturenpark seinen Platz hatte. Auch wenn die Skulptur wieder aus Nördlingen abgeholt wird, stehen die nächsten Leihorte schon wieder fest.

Der Kunstverein, der die Aufstellung veranlasst hat, zeigt in der Ausstellung „Was ich mache“ weitere Objekte des in München ansässigen Künstlers, darunter drei Werke im öffentlichen Raum. Tuchnowski war Meisterschüler des abstrakt-konkreten dänischen Bildhauers Robert Jacobs! en an der Kunstakademie in München und zwei Jahre auch Dozent an der Königlichen Kunstakademie in Kopenhagen. Er errang 1993 den Jacobsen-Preis der Stiftung Würth in Künzelsau.

Vor der Eröffnung, bei der C.Sylvia Weber aus Schwäbisch Hall die Einführung geben wird, spielen der Bassist Christian Stock und der Pianist Karel Ruzicka als „The Art Of The Duo“ bereits am Freitag, dem 19. September um 20 Uhr im Ausstellungsraum der Alten Schranne ein Konzert.

 

Eindruck – Abdruck – Eberhard Brügel, Ingrid Sperrle

 05.04.2003 – 17.05.2003
im Schneidt‘ schen Haus,

Eisengasse 6 (1. OG),
Nördlingen

Drucke und Zeichnungen

Kunst auch ohne Stift und Pinsel.
Der Kunstverein Nördlingen zeigt in seiner aktuellen Ausstellung Radierungen und Holzschnitte von Eberhard Brügel und Rost-Bilder von Ingrid Sperrle. Die Werke entführen den Betrachter in die sinnliche Welt stofflicher Oberflächen: das samt schimmernde, in dichter Strichätzung entstandene Schwarz der Radierungen von Brügel und die durch Oxidieren von Eisenplatten auf Stoffe übertragene Rostfarbe bei Sperrle. Beide Künstler nutzen für ihre Arbeit ganz bewusst die bildnerischen Möglichkeiten chemischer Prozesse. Es entstehen dabei geheimnisvolle Bildräume, rätselhafte Strukturen und Formen, die Fremdes und Bekanntes gleichermaßen enthalten.


Aus der Wochenzeitung Donau-Ries vom 09. April 2003

Neue Kunstausstellung macht Eindruck
Nördlingen (rs). Der Kunstverein Nördlingen eröffnete am Sonntag die Ausstellung „Eindruck-Abdruck, Drucke und Zeichnungen“ der beiden Künstler Ingrid Sperrle und Eberhard Brügel. Die Arbeit der beiden Schaffenden fand großen Anklang beim Publikum.

Dem Kunstverein gelang es, Kunstinteressierte aus nah und fern anzulocken, so waren auch Gäste aus Frankfurt, München und Stuttgart zugegen. Dr.Sabine Heilig, die 1. Vorsitzende des Vereins, wies in ihrem Grußwort auf die Verbundenheit der beiden Künstler mit Nördlingen hin, da beide hier in der Stadt aufwuchsen. Auch der Name der Ausstellung „Eindruck – Abdruck“ weise klar auf die Verbindung zur Druckerstadt Nördlingen hin. Die Vorsitzende beschäftigte sich auch mit dem Kunstverein an sich. Erst vor wenigen Jahren entstanden, zählt der Verein nun schon über 100 Mitglieder. Die häufigen Kunstfahrten haben das Ziel, ein Bewusstsein für die Kunst zu wecken und den Menschen auch die Moderne näher zu bringen.

Paul Kling, der Oberbürgermeister von Nördlingen, bedankte sich ausdrücklich für das Engagement des Vereins und würdigte dessen Zielsetzung. Er bedauere, dass die Stadt aufgrund der sehr schlechten kommunalen Finanzlage wenig mehr als die Räumlichkeiten stellen könne; er appelierte auch gleichzeitig an die Bürger Einsatz zu zeigen und offen zu sein für die moderne Kunst. Gerade diese Offenheit wurde in früheren Jahren in der Stadt vermisst. Zu oft blieben die Tore Nördlingens für die moderne Kunst verschlossen. Doch er bekräftigte, dass man versuchen wolle, dem Kunstverein mit dem Schneidt’schen Haus eine feste Bleibe zu ermöglichen. Gerade die alten, traditionellen Räume in der Eisengasse 6 bieten durch ihre Helligkeit und Elleganz ein hervorragendes Ambiente für diese neuen und modernen Werke.


Eberhard Brügel
geboren 1940 in Nürnberg, Ausbildung an den Akademien in Stuttgart bei Gerhard Gollwitzer und Christoph Schellenberger, in Berlin bei Wolf Hofmann und in München bei Mac Zimmermann, Lehramtsstudium an der PH Ludwigsburg, seit 1970 Kunstpädagoge an der PH Freiburg, Aufbau der Kunstschule Offenburg.

Ingrid Sperrle
geboren 1956 in Schwäbisch Gmünd, Ausbildung zur Emailleurin und als wissenschaftliche Zeichnerin, Studium der freien Bildhauerei und Malerei in Freiburg, seit 1990 freischaffend.

Erinnern

14.09.2002 um 11.00 Uhr
in der Alten Schranne

Andreas Bindl, Jürgen Brodwolf, Peter Guth, Irmela Maier, Harry Meyer, Franziska Schemel

Erinnern, das Speichern und Wiederaufrufen von Erlebtem, ist Teil unserer Gedankenwelt und ein zentrales menschliches Anliegen. In Archiven, Bibliotheken, Museen und anderen Institutionen wird seit langem versucht, das Gewesene in einer Art artifiziellem Gedächtnis systematisch festzuhalten und zu speichern.
Das Nachsinnen über das Erfahrene und die damit verbundenen Assoziationen und gedanklichen Verknüpfungen bestimmen das alltägliche Bewußtsein. Diese Gedanken sind jedoch subjektiv und lassen sich nicht kollektivieren. Beim Hören, Sehen, Fühlen, Schmecken und Riechen wird die Phantasie ganz unterschiedlich angeregt. Dieses sinnliche Wahrnehmen löst eine Vielzahl von Empfindungen wie z.B. Erinnerungen aus, die sich für jeden Menschen anders darstellen. Wirklichkeit und geistige Realität verbinden sich dabei zu einer individuellen Gesamtheit.

Die Ausstellung geht der Frage nach, wie zeitgenössische Künstler und Künstlerinnen damit umgehen, und welche Entdeckungen ihr Erinnern formuliert. Neben der konkreten Erinnerung an tatsächlich Geschehenes ist damit auch der Prozess eines abstrakten Empfindens gemeint.
Die ausgestellten Arbeiten reichen von Zeichnungen über Malerei, Fotografie und Objektkunst bis hin zu Installationen. Interessant ist vor allem auch die Betonung des Materialhaften, das direkte emotionale Empfindungen hervorruft. So setzen neben Jürgen Brodwolf auch Irmela Maier und Harry Meyer, wenn auch jeweils völlig unterschiedlich, die taktile Substanz ihres Materials ein, um inhaltlich Stellung zu beziehen. Realismus und Abstraktion sind gleichermaßen in dieser Ausstellung vertreten. Ihr Nebeneinander zeugt von ihrer Gleichberechtigung innerhalb zeitgenössischen Kunstschaffens. Bei Franziska Schemel verbinden sich beide Haltungen in der spannungsreichen Verbindung von Malerei und Fotografie, bei Andreas Bindl formen die aus dem Unterbewußtsein schöpfenden Linien reale Momente, die sich im Begriff ihrer Konkretisierung wieder aufzulösen beginnen. Darüber hinaus antwortet Peter Guth in einem konzeptuellen Ansatz mit einem mehrteiligen Buchobjekt auf die Historie der Druckstadt Nördlingen.


Die ausstellenden Künstler/Innen


Andreas Bindl
(geb. 1928), Zeichnungen, Objekte

Lebt und arbeitet in Faistenhaar bei München

1948-1954 Akademie München, Studium der Bildhauerei
1980-1989 Lehrauftrag an der Akademie München
1986 Villa Romana-Preis, Florenz


Jürgen Brodwolf (geb. 1932), Installationen, Objekte, Zeichnungen

Lebt und arbeitet in Kandern/Südbaden

1948-1952 Lehre als Zeichner und Lithograph
1955-1960 Tätigkeit als Freskorestaurator
1959 Entdeckung der Tubenfigur
1976-1982 Professur für Zeichnen an der FHG Pforzheim
1982-1994 Professur an der Akademie Stuttgart


Peter Guth (geb. 1957), Holzdrucker, Objektkünstler, Zeichner

Lebt und arbeitet in Ellwangen

1977-1983 Akademie Stuttgart bei Peter Grau, Herbert Baumann u. Rudolf Schoofs
1978-1981 Studium der Kunstwissenschaften an der Uni Stuttgart
1985 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg
1992-1997 Dozent für Zeichnen an der Haller Akademie der Künste Schwäbisch Hall


Irmela Maier (geb. 1956), Objektkünstlerin, Zeichnerin

Lebt und arbeitet in Ettlingen bei Karlsruhe

1976-1982 Akademie Stuttgart
1980-1981 Académie des Beaux Art Paris
1981 Oberschwäbischer Kunstpreis
1985-1986 Saint Martin’s School of Art, London


Harry Meyer (geb. 1960), Maler, Zeichner

Lebt und arbeitet in Augsburg

1976-1979 Lehre als Elektromechaniker
1988-1992 Studium der Architektur, Diplom
seit 1993 freischaffend als Maler
1992 Schwäbischer Kunstpreis Augsburg
2001 Helen-Abbott-Förderpreis für Bildende Kunst, Berlin-New York


Franziska Schemel (geb. 1961), Malerin, Fotografin

Lebt und arbeitet in Karlsruhe

1981-1984 Ausbildung als Schauwerbegestalterin in Stuttgart
1984-1990 Akademie Stuttgart bei Peter Groß und Erich Mansen
1997 Piramidon-Stipendium, Barcelona